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KSS-Glossar — alle Begriffe von A bis Z
Dieses Glossar erklärt Fachbegriffe rund um Kühlschmierstoffe (KSS), Belüftung und emulvent® — verständlich für Einkäufer, Werkzeugmacher und Azubis, ohne unnötigen Fachjargon.
A
Airlift (auch: Airlift-Reaktor, Airlift-Effekt)
Verfahren zur Umwälzung von Flüssigkeiten durch aufsteigende Luftblasen: Luft wird unten eingeleitet, die Blasen steigen auf und nehmen dabei Flüssigkeit mit — es entsteht eine Strömung, ganz ohne bewegte Teile im Tank.
Mehr dazu: Der Airlift-Reaktor · Funktionsweise
AltölV (Altölverordnung)
Regelt die Entsorgung gebrauchter Öle nach Schadstoffgehalt und ordnet reine, ölbasierte Bearbeitungsöle in Sammelkategorien ein (halogenfrei: Kategorie 2, halogenhaltig: Kategorie 3). Betrifft in erster Linie reine KSS-Öle — die bei den meisten Betrieben üblichen wassergemischten Emulsionen laufen stattdessen über eine CPB-Vorbehandlung (siehe CPB).
Anaerob
Ohne Sauerstoff lebend. Anaerobe Bakterien gedeihen in sauerstoffarmem Kühlschmierstoff und produzieren dabei Faulgase — der typische, stechende Geruch. Gegenteil: aerob.
Mehr dazu: Warum kippt KSS?
Aerob
Mit Sauerstoff lebend. Aerobe Bedingungen verhindern das Wachstum geruchsbildender Bakterien — der Kühlschmierstoff bleibt stabil. Genau das erreicht kontinuierliche Belüftung.
Mehr dazu: Warum KSS-Belüftung?
Aufbauschneidenbildung
Werkstoff — vor allem bei Aluminium und Kupfer — lagert sich an der Werkzeugschneide an, statt sauber abzufließen: Folge sind unregelmäßige Schnittkräfte, schlechtere Oberflächen und schnellerer Werkzeugverschleiß. Neben zu geringer Schnittgeschwindigkeit ist unzureichende Schmierwirkung des KSS eine der Hauptursachen — abhängig von Belüftung und Umwälzung im Tank.
B
Belüftungsplatten
Bodenliegende Bauteile zur Belüftung von Kühlschmierstoff, wie sie bei anderen Systemen zum Einsatz kommen. Da sie am Tankboden liegen, setzen sich Sedimente und Ablagerungen auf ihrer Oberfläche ab, was die Luftverteilung mit der Zeit beeinträchtigt. Der hängend positionierte Diffusorkopf von emulvent® vermeidet dieses Problem (siehe Diffusorkopf).
Mehr dazu: Der Airlift-Reaktor
BK 5101 (Berufskrankheit Hauterkrankung)
Berufskrankheiten-Ziffer für schwere oder wiederkehrende Hauterkrankungen durch Hautkontakt mit Kühlschmierstoff. Seit der Gesetzesnovelle 2021 auch ohne Aufgabe der Tätigkeit anerkennbar — lückenlose KSS-Überwachung ist für Betriebe der wichtigste Nachweis, ordnungsgemäß gehandelt zu haben.
Mehr dazu: Wartung
Brix-Wert (auch: Konzentration)
Maß für den Anteil an KSS-Konzentrat in der Emulsion (1 % Brix ≈ 1 % Konzentrat), gemessen mit einem Refraktometer. Übliche Empfehlung: 5–10 %, je nach Hersteller. Zu niedrig begünstigt Bakterienwachstum und Korrosion, zu hoch führt zu Schaum, Hautreizungen und unnötigen Kosten.
Mehr dazu: ROI-Rechner
C
CPB (chemisch-physikalische Behandlung)
Verfahren zur Vorbehandlung stark wasserhaltiger KSS-Emulsionen vor der Entsorgung: Die Wasserphase wird abgetrennt (z. B. durch Membranfiltration, Vakuumdestillation oder chemische Spaltung), die verbleibende ölige Phase geht meist in die energetische Verwertung, bei erhöhter Schadstoffbelastung in die Sonderabfallverbrennung (siehe SAV). Reduziert das zu entsorgende Volumen erheblich — Grundlage für das Kühlschmierstoffrecycling.
Mehr dazu: Nachhaltigkeit
D
DGUV Regel 109-003 (früher BGR 143)
Berufsgenossenschaftliche Regel, die die TRGS 611 praktisch konkretisiert: schriftlicher Prüfplan, Maschinenkartei je Anlage und Eskalationsprotokoll bei Grenzwertüberschreitungen. Aufzeichnungen sollten mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden.
Fragen zur Umsetzung? Beratung anfragen
Diffusorkopf (auch: Spezialdiffusorkopf)
Das feinporige Bauteil an der Spitze der Belüftungslanze, durch das die Luft in feinen Blasen in den Kühlschmierstoff eintritt und so den Airlift-Effekt erzeugt. Durch seine hängende Position im Tank können sich keine Sedimente auf dem Diffusorkopf ablegen — anders als bei am Boden liegenden Belüftungsplatten, auf denen sich Ablagerungen absetzen. Die feinen Poren können sich dennoch mit der Zeit zusetzen und werden bei der Wartung regelmäßig mit Druckluft freigeblasen.
Mehr dazu: Wartung
Druckluft
Komprimierte Luft, die bei der Wartung von emulvent®-Anlagen zum Ausblasen von Lüftungsschlitzen, Belüftungselementen und dem Spezialdiffusorkopf verwendet wird. Empfohlen sind kurze Stöße mit maximal 3 bar — zu hoher Druck kann Dichtungen und den Diffusorkopf beschädigen. Wird Druckluft dagegen direkt zur Belüftung des Kühlschmierstoffs eingesetzt, führt zu hoher Druck Luft zu aggressiv in die Emulsion ein und begünstigt so Bakterienwachstum — der schonende Airlift-Effekt von emulvent® vermeidet genau dieses Risiko. Ein passender Druckminderer (Reduzierer) wird bei den Druckluftlösungen von emulvent® mit eingebaut. Zu Wartungszwecken kann der Druck zum Freiblasen der Belüftungslanzen und des Diffusorkopfs kurzzeitig manuell erhöht werden. Infos zu den Druckluftprodukten von emulvent® auf Anfrage.
Mehr dazu: Wartung
E
Emulsion
Feine Verteilung von Öltröpfchen in Wasser — die gängigste Form von Kühlschmierstoff (siehe KSS), üblicherweise mit 5–10 % Konzentratanteil (siehe Brix-Wert). Fehlt der Emulsion Sauerstoff, begünstigt das Bakterienwachstum (siehe Anaerob) — kontinuierliche Belüftung hält sie stabil.
Mehr dazu: Warum kippt KSS?
Entgangener Umsatz
Eigene Kennzahl neben dem reinen KSS-Schaden (Konzentrat, Entsorgung, Reinigung): zeigt, wie viel Umsatz eine Maschine während einer ungeplanten, KSS-bedingten Stillstandszeit nicht erwirtschaftet — berechnet über den Umsatz pro Maschinenstunde. Ein Risiko-Zuschlag (1×–3×) berücksichtigt zusätzlich Folgekosten wie Verzugskosten oder verlorene Folgeaufträge.
Mehr dazu: ROI-Rechner
Entsorgung (auch: fachgerechte Entsorgung, Entsorgungskosten)
Verbrauchte KSS-Emulsion gilt als gefährlicher Abfall (AVV-Abfallschlüssel 12 01 09*) und darf nicht über Kanalisation oder Restmüll entsorgt werden — fachgerecht heißt: Abholung durch einen zugelassenen Entsorgungsfachbetrieb inklusive lückenlosem Entsorgungsnachweis. Die Kosten richten sich vor allem nach Menge, Region und Entsorger; laut Emulvent-ROI-Rechner liegen sie realistisch zwischen 0,15 und 1,20 €/Liter, mit 0,30 €/Liter als Richtwert. Da seltenere KSS-Wechsel durch kontinuierliche Belüftung auch seltenere Entsorgung bedeuten, sinken diese Kosten direkt mit.
Mehr dazu: ROI-Rechner
F
Fremdöl
Öle, die nicht zum Kühlschmierstoff gehören — etwa Lecköle aus Maschinen oder Hydrauliköl. Sie bilden einen Film auf der KSS-Oberfläche, der den Sauerstoffeintrag behindert und so anaerobe Bedingungen begünstigt.
Mehr dazu: Warum KSS-Belüftung?
G
Gefährdungsbeurteilung (auch: GefB)
Nach Arbeitsschutzgesetz § 5 für jeden Betrieb mit Gefahrstoffeinsatz Pflicht — bei Kühlschmierstoff inklusive Bewertung von Hautkontakt, Aerosolen und technischen Schutzmaßnahmen wie der KSS-Überwachung. Empfohlene Aktualisierung: alle 1–3 Jahre oder bei neuen Maschinen und KSS-Typen.
Fragen zur Umsetzung? Beratung anfragen
I
Innenkühlung (auch: IKZ)
Führt Kühlschmierstoff nicht von außen, sondern durch Kanäle im Werkzeug direkt an die Schneide — wichtig bei Tiefbohrungen und schwer zugänglichen Schnittstellen. Die engen Kanäle sind anfällig für Ablagerungen: KSS, der im Tank nicht kontinuierlich umgewälzt wird, erhöht das Risiko verstopfter IKZ-Kanäle.
K
Keimzahl (auch: KBE, kolonienbildende Einheit)
Maß für die mikrobielle Belastung der Emulsion, angegeben in KBE/ml. Werte unter 100.000 KBE/ml gelten als unkritisch — steigende Keimzahlen sind meist ein frühes Warnsignal für Geruch, Schaum und pH-Abfall.
Mehr dazu: pH-Wert im Kühlschmierstoff
Kühlschmierstoff (KSS)
Flüssigkeit zur Kühlung und Schmierung bei der Zerspanung (Drehen, Fräsen, Bohren). Gängige Arten: Emulsion (Wasser + Öl), reines Öl sowie wasserlösliche Synthese-Produkte. Typische Probleme ohne Belüftung: Bakterien, Geruch, Schaum, erhöhter Werkzeugverschleiß.
Mehr dazu: Wissensdatenbank
Kühlschmierstoffrecycling (auch: KSS-Recycling, KSS-Aufbereitung)
Spezialisiertes Aufbereitungsverfahren für verbrauchte, mikrobiell belastete KSS-Emulsion: Vor allem der Wasseranteil wird zurückgewonnen, die übrigen Bestandteile (Öle, Fremdstoffe) bleiben meist nur noch thermisch verwertbar und müssen weiterhin als Sondermüll entsorgt werden (siehe Sondermüll). Reduziert das Entsorgungsvolumen und kann Standzeiten deutlich verlängern, ersetzt aber keine laufende Pflege — kontinuierliche Belüftung setzt schon vorher an und verhindert einen Teil der Verkeimung von vornherein.
Mehr dazu: Nachhaltigkeit
M
Maschinenstundensatz
Kosten pro Betriebsstunde einer Maschine (Abschreibung, Energie und weitere Gemeinkosten, ohne Umsatzanteil — der wird im Emulvent-ROI-Rechner separat als „Entgangener Umsatz“ erfasst) — zeigt, was ein Maschinenstillstand tatsächlich kostet. Jede Stillstandsstunde durch einen ungeplanten KSS-Wechsel multipliziert sich mit diesem Satz zu einem realen Kostenfaktor.
Mehr dazu: ROI-Rechner
MMS (Minimalmengenschmierung)
Versprüht Kühlschmierstoff direkt an die Schneide statt ihn im Kreislauf zu führen — per Definition unter 50 ml/h, in der Praxis meist 5–30 ml/h. Vorteil: kaum Reinigungs- und Entsorgungsaufwand, Nachteil: spürbar geringere Kühlleistung. Für Betriebe mit mehreren Maschinen bleibt deshalb die klassische Tank-KSS-Lösung mit Umwälzkreislauf Standard.
N
Nitritgehalt
Kennzahl für den Nitritanteil in der Emulsion, entsteht u. a. durch bakteriellen Abbau von Nitrat-haltigen Additiven. Die TRGS 611 setzt die Grenze bei 20 mg/l — darüber ist zusätzlich eine Keimzahlmessung vorgeschrieben.
Mehr dazu: pH-Wert im Kühlschmierstoff
Nitrosamine
Gesundheitsschädliche Verbindungen, die bei hohem Nitritgehalt in Kombination mit Aminen entstehen können und als krebsverdächtig gelten (siehe TRGS 552). Stabile, gut durchmischte Emulsionen mit niedrigem Nitritgehalt senken das Risiko deutlich.
Mehr dazu: pH-Wert im Kühlschmierstoff
P
Prozesssicherheit
Beschreibt, wie zuverlässig ein Fertigungsprozess über die Zeit gleichbleibende Ergebnisse liefert — reproduzierbare Maße, planbare Standzeiten, keine überraschenden Stillstände. Kippt der Kühlschmierstoff unerwartet, drohen neben dem außerplanmäßigen Wechsel auch Maßabweichungen und Oberflächenfehler.
R
Refraktometerfaktor
Herstellerspezifischer Umrechnungsfaktor, mit dem der am Refraktometer abgelesene Brix-Wert in die tatsächliche KSS-Konzentration umgerechnet wird. Steht im Produktdatenblatt des jeweiligen Konzentrats.
Mehr dazu: Wartung
S
SAV (Sonderabfallverbrennungsanlage)
Anlage zur Verbrennung stark schadstoffbelasteter oder halogenhaltiger KSS-Reste, die weder stofflich noch energetisch regulär verwertet werden können — der letzte Schritt der Beseitigung, wenn eine Verwertung nicht mehr möglich ist, etwa nach einer CPB-Vorbehandlung (siehe CPB, Sondermüll).
Schaum (auch: Schaumbildung)
Luftblasen im Kühlschmierstoff, die an die Oberfläche steigen. Ursachen sind meist zu hohe Konzentration, Verunreinigungen oder falsch eingestellte Belüftung. Folgen: Sichtbehinderung an der Maschine, Pumpenschäden, KSS-Verlust.
Mehr dazu: Blog: Schaum auf dem Kühlschmierstoff
Sondermüll (auch: gefährlicher Abfall)
Umgangssprachlicher Begriff für Abfall, der wegen Umwelt- oder Gesundheitsrisiken gesondert erfasst, transportiert und entsorgt werden muss. Der amtliche Begriff im Abfallrecht ist „gefährlicher Abfall“ — verbrauchte KSS-Emulsion fällt darunter (siehe Entsorgung).
Standzeit
Wird in der Zerspanung für zwei verschiedene Dinge verwendet: Die Werkzeug-Standzeit ist die Einsatzdauer einer Schneide bis zum Verschleißkriterium, die KSS-Standzeit die Nutzungsdauer der Kühlschmierstoff-Füllung bis zum Wechsel — hier entscheidet vor allem der Sauerstoffaustausch.
Mehr dazu: Warum KSS bei Belüftungspausen kippt
T
TRGS 611 (Technische Regeln für Gefahrstoffe 611)
Deutsche Vorschrift zum Schutz vor Gefährdungen durch Kühlschmierstoffe. Legt u. a. Grenzwerte für Bakterien, Pilze und Nitrosamine fest und verpflichtet Arbeitgeber zur Dokumentation des KSS-Zustands (z. B. Brix-Wert, pH-Wert, Keimzahl).
Fragen zur Umsetzung? Beratung anfragen
U
Umwälzung
Die Bewegung von Kühlschmierstoff im Tank, meist durch Pumpen oder Belüftung. Ziel: Sauerstoffeintrag, Temperaturausgleich und die Verhinderung von Ablagerungen. Bei emulvent® sorgt der Airlift-Effekt für eine sanfte, kontinuierliche Umwälzung — ganz ohne zusätzliche bewegte Teile im Tank.
Mehr dazu: Der Airlift-Reaktor
V
VDI 3397 (Pflege und Entsorgung von Kühlschmierstoffen)
Technische Richtlinie in mehreren Teilen: Blatt 1 behandelt die Pflege wassergemischter Kühlschmierstoffe — u. a. Konzentrat-Nachspeisung, Fremdöl-Abscheidung und Feinstfiltration. Mit konsequenter Pflege sind Standzeiten von 1–3 Jahren erreichbar, statt der sonst üblichen 6–12 Monate. Blatt 3 behandelt separat die Entsorgung, insbesondere Membranfiltration und Vakuumdestillation als Trennverfahren (siehe CPB, Entsorgung).
Mehr dazu: VDI 3397 im Überblick
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